Azure beendet Reserved Instances für ältere VM-Serien – was jetzt teurer wird
Seit dem 1. Juli 2026 verkauft und verlängert Azure für 18 ältere VM-Serien keine oder nur noch eingeschränkt Reserved Instances. Laufen bestehende Reservierungen aus, steigen die Kosten, ohne dass Sie eine Zeile Code ändern. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Ihr Inventar zu prüfen.
Was ist passiert?
Microsoft hat Anfang Mai im Azure Compute Blog angekündigt, dass Reserved VM Instances (RIs) für ausgewählte VM-Serien ab dem 1. Juli 2026 weder neu gekauft noch verlängert werden können. Ein Übergangsleitfaden auf Microsoft Learn nennt zwei Gruppen:
- Keine einjährigen RIs mehr: Av2, Amv2, Bv1, D, Ds, Dv2, Dsv2, F, Fs, Fsv2, G, Gs, Ls und Lsv2.
- Weder ein- noch dreijährige RIs: Dv3, Dsv3, Ev3 und Esv3.
Bestehende Reservierungen sind nicht betroffen und gewähren ihren Rabatt bis zum Ende der Laufzeit. Danach werden die VMs zum Pay-as-you-go-Preis abgerechnet, und zwar auch dann, wenn die automatische Verlängerung aktiviert ist. Die VMs selbst laufen unverändert weiter, denn eine RI ist ein reines Abrechnungskonstrukt.
Als Alternativen empfiehlt Microsoft den Azure Savings Plan for Compute oder die Migration auf neuere VM-Serien.
Warum betrifft Sie das?
Gerade Dv3, Dsv3, Ev3 und Esv3 finden sich in vielen über Jahre gewachsenen Azure-Umgebungen, oft als Datenbank-, Applikations- oder Build-Server. Wer dafür RIs nutzt, zahlt derzeit deutlich weniger als den Listenpreis. Endet die Reservierung, fällt dieser Rabatt weg.
Das Tückische daran: Es gibt keinen technischen Fehler, kein Deployment und keine Warnung im Betrieb. Die Kosten steigen still, sichtbar wird das erst in der nächsten Rechnung. Wer sich auf die automatische Verlängerung verlassen hat, wird davon nicht geschützt.
Microsoft rät, die Umstellung sechs bis zwölf Monate vor Ablauf einer Reservierung zu planen. Für einige der betroffenen Serien, etwa D, Dv2 und Ls, gibt es zudem bereits einen Migrationsleitfaden für auslaufende VM-Größen. Eine Modernisierung steht dort also ohnehin an.
Was Sie jetzt tun sollten
- RI-Inventar prüfen: Im Azure-Portal unter Reservations nach Produkttyp Virtual Machines filtern und VM-Familie sowie Ablaufdatum prüfen. Per CLI:
az extension add --name reservation
az reservations reservation-order list -o table
- Laufende VM-Größen auswerten: Diese Abfrage über Azure Resource Graph zeigt, welche Größen in Ihren Subscriptions laufen:
az extension add --name resource-graph
az graph query -q "Resources
| where type =~ 'microsoft.compute/virtualmachines'
| extend size = tostring(properties.hardwareProfile.vmSize)
| summarize Anzahl = count() by size
| order by Anzahl desc" -o table
- Auslastung bewerten: Prüfen Sie in Cost Management die Auslastung der Reservierungen und ob die Workloads über das Ablaufdatum hinaus gebraucht werden.
- Savings Plan for Compute prüfen: Er bindet Sie nicht an eine VM-Familie oder Region und deckt auch spätere Größenwechsel ab. Bestehende RIs lassen sich per Self-Service-Trade-in in einen Savings Plan umwandeln.
- Modernisierung einplanen: Der Wechsel auf eine aktuelle VM-Generation bringt oft ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und wieder Zugang zu RIs. Testen Sie Performance, Quoten und Verfügbarkeit in Ihrer Region vorab.
- Budget absichern: Übernehmen Sie die Ablaufdaten in die Finanzplanung und richten Sie Budget-Warnungen in Cost Management ein.
- Bewusst entscheiden: Pay-as-you-go kann sinnvoll sein, etwa für Systeme, die bald abgeschaltet werden. Es sollte aber eine Entscheidung sein, kein Versehen.
Fazit
Das Ende der RIs für ältere VM-Serien betrifft nicht den Betrieb, wohl aber das Budget. Wer jetzt Ablaufdaten erfasst und zwischen Savings Plan und Modernisierung entscheidet, vermeidet böse Überraschungen auf der Azure-Rechnung. Wenn Sie Unterstützung bei Kostenanalyse oder Migration wünschen, sprechen Sie uns an.
